Katze im Gras

Lockdown für vier Pfoten

Lockdown für die Katz‘. In der 15.000-Seelen-Gemeinde Walldorf/Baden-Württemberg herrscht ab sofort bis zum Jahr 2025 immer vom 1. April bis zum 31. August ein Ausgehverbot für Stubentiger. Das bedeutet: jeden Sommer fünf Monate „Katzen-Knast“ für Freigänger-Miezen!

Warum? Weil die Haubenlerche – weltweit – vom Aussterben bedroht ist. Da es diesen Piepmatz in der Gemeinde Walldorf aber noch vereinzelt gibt, sollen die wenigen Exemplare geschützt werden. Deshalb verhängte die Naturschutzbehörde des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis den „Hausarrest für die Samtpfötchen“. Davon sind weder die Tiere noch ihre Menschen begeistert. Ausnahme: das Führen der Katze an der Leine ist erlaubt. Leidvoll wird sich dann beim Gassi-Gehen so manch eine Katze bestimmt verwundert fragen, ob sie im falschen Film gelandet ist und künftig bellen muß.

Es heißt, daß die Miezen eine zu große Bedrohung für die Haubenlerchen seien, die Bodenbrüter und damit leichte Beute für die Vierbeiner sind. Das ist Quatsch! Die Haus-Katzen sind nicht der Hauptgrund für den Rückgang der trällernden Lerchen-Population.

Das geht wohl eher auf das Konto der verwilderten (Haus)Katzen. Ihr Überlebensinstinkt zwingt sie, Mäuse oder Ratten und manchmal auch Vögel zu jagen bzw. sich von Abfällen zu ernähren. Selten gehören auch Eidechsen, Fische und Frösche auf ihre Speisekarte.

Obwohl sich die Haubenlerche sandige Brachflächen mit wenig Pflanzenbewuchs, Felder, Wiesen, Kiesgruben und gern auch unbebaute Grundstücke als Refugium aussucht, paßt sie ihren Lebensraum aufgrund eines mangelnden Angebotes an. Neuerdings weicht sie sogar auf Flachdächer in Industriegebieten – wie hier bei uns in Hamburg – aus.

Die Ernährung der Haubenlerche besteht hauptsächlich aus Insekten, Larven, Würmern und Sämereien – und als Nachtisch gibt es Beeren.

Zunehmend wird es jedoch schwerer für die Lerche, ausreichend geeignetes Futter zu finden, da der gierige Mensch u. a. mit einer überdimensionierten Ausbreitung seiner Landwirtschaftsflächen seine Finger im Spiel hat. Die großzügigen Subventionen für Groß-Grundbesitzer zum ertragsreicheren Anbau von Monokulturen und der Einsatz zahlreicher Umweltgifte sind innerhalb der letzten 30 Jahre für einen Rückgang der Artenvielfalt in unseren Ökosystemen – bei Flora und Fauna –  um 70% verantwortlich. Die Biomasse im Reich der Insekten ist bei uns sogar um 80 % zurückgegangen. Eine Studie belegt, daß in 25 Jahren weltweit ein Viertel aller Insekten verschwunden sein wird.

Pestizide, Herbizide, Fungizide, fehlende Blühstreifen, weniger farbenfrohe, sortenreiche  Blumenwiesen, Bodenversiegelungen und Lichtverschmutzung bedeuten den sicheren Tod für die kleinen Krabbler, Falter und Bestäuber. Lebenswichtige Nahrungsgrundlagen und Habitate für Amphibien, Vögel, Fledermäuse und kleine Nager verschwinden somit immer schneller. Ein verheerender Domino-Effekt in einem gestörten Natur-Kreislauf.

Grüner Kletter-Künstler

„Sei kein Frosch“ – die Redewendung geht auf die extrem-schreckhaften, kleinen Springer zurück, die bei der geringsten Bewegung das Weite suchen. Die kleinen Sensibelchen spüren schon feinste Veränderungen auf ihrer Haut und veranlassen sie zur Flucht.

Der Laubfrosch mit seinen 3 – 5 cm ist als kleine Amphibie in seinen Lebensräumen stark bedroht. Strukturreiche Hochstaudenflure, Gehölze und üppige Wiesen gehören ebenso zu seinem Refugium wie dichte Hecken, die aber leider aufgrund von Flurbereinigungs-Maßnahmen oftmals nicht mehr vorhanden sind. Bedeutet im Klartext: Vereinfachung und Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen. Nutztier-Herden halten darüber hinaus die Weiden frei, so daß eine geschützte Nahrungssuche im Gras nicht mehr stattfinden kann. Und wenn die immer weniger werdenden Insekten bei Sonnenschein höher fliegen, gibt es für den kleinen Akrobaten keine Grashalme mehr, die hoch genug wären, um die Beute zu erhaschen. Auch die Schnecken- und Würmer-Beute wird spärlicher.

Als Haut- und Lungenatmer gehört zum Lebensraum der Laubfrösche natürlich auch das feuchte Nass. Im Frühjahr suchen die kleinen Kerlchen fischfreie und sonnige Kleingewässer auf, um nach der Paarung in den Flachwasserzonen an Pflanzenhalmen unter der Wasseroberfläche Laichballen zu kleben. Innerhalb eines Monats entwickeln sich aus dem Laich Kaulquappen, aus denen nach weiteren vier Wochen kleine Fröschlein werden.

Kaulquappen im Glas sammeln war in meiner Kinderzeit ein fröhlicher Spaß; natürlich haben wir die kleinen Pummelchen umgehend wieder zurück ins Wasser gegeben. Und wer Marienkäfer oder Maikäfer im Weckglas – mit Blättern ausgepolstert – vorweisen konnte, war ein Glückspilz und stand im Mittelpunkt der anderen Kids.

Leider gehört auch der Laubfrosch durch die Zerstörung oder Beeinträchtigung ihrer Lebensräume zu einer gefährdeten Spezies. Umweltgifte, Vermüllung oder gar die Zuschüttung von Kleingewässern/Biotopen sorgen für ein stetiges Schwinden dieser kleinen, grünen Kletter-Künstler. Gefährlich sind auch ihre Wanderungen zwischen Laichgewässern und Winterquartieren, die nicht selten mit Verlusten durch den Straßenverkehr einhergehen.

Gretchenfrage: „Würde eine Hauskatze nun lieber einen Frosch küssen oder eher eine Haubenlerche fressen?“

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